Intimität neu erleben
(Blog-Serie | Teil 2)
Intimität 1.0: Die alte Welt der Nähe
Wie Körper zu Objekten wurden – und Begegnung zur Ausnahme
Bevor wir darüber sprechen können, wie Intimität tiefer, wahrhaftiger und nährender werden kann, müssen wir ehrlich hinschauen, woher wir kommen.
Nicht, um Schuldige zu suchen – sondern um Muster zu erkennen. Die meisten von uns sind in Intimität nicht eingeführt worden - wir wurden ihr ausgesetzt:
- Ein paar Stunden Sexualkunde in der Schule
- BRAVO-Zeitschriften
- Prahlerisches (und gefährliches) Halbwissen von Freund:innen
- Und früher oder später – direkt oder indirekt – Pornografie
Intimität blieb lange ein Mysterium. Und wo Wissen fehlt, übernehmen Bilder.
Körper statt Bewusstsein
In Intimität 1.0 liegt der Fokus fast ausschließlich auf dem Körper und damit auf der Oberfläche, der materiellen Welt, das was sichtbar ist - durch machen. Der Körper wird benutzt, optimiert und bewertet.
Er wird zur Bühne für das Ego, das sich durch Leistung und Performance definiert. Es hat kein Interesse an Raum für echte Begegnung - denn hier wäre es in Frage gestellt...
Sex wird etwas, das man macht, nicht etwas, das man bewusst erlebt.
Das Ziel ist klar: Erregung → Orgasmus → Entladung → Entspannung.
Und ja – das kann sich kurzfristig gut anfühlen. Aber oft bleibt danach eine scheinbar unerklärliche Leere zurück - aber warum?
Männer: Druck, Entladung, Abwesenheit
Viele Männer lernen früh, mit sexueller Energie umzugehen, indem sie sie möglichst schnell loswerden. Der Druck im Unterleib (konkret in den Hoden) wird als störend erlebt – manchmal sogar als schmerzhaft.
Masturbation wird zur Lösung. Nicht als bewusster Akt von Selbstkontakt, sondern als mechanischer Vorgang.
Die Aufmerksamkeit ist dabei nicht im Körper – sie ist im Außen:
- Im Bild
- Im Screen
- In der Fantasie
Doch was viele nicht wissen: „Energie folgt der Aufmerksamkeit.“
Und so verschwindet die Energie aus dem Körper – hinein in imaginäre Vorstellungen oder digitale Welten.
Der Lingam – aus tantrischer Sicht ein heiliger, empfindsamer Ausdruck von Lebensenergie – wird stumpf. Er wird wie ein Werkzeug benutzt, es wird "gehobelt", um sich zu entladen...
Später, in der Partnerschaft, setzt sich dieses Muster oft fort. Der Mann ist bei der Frau – aber nicht bei sich. Er performt, macht, leistet und er glaubt darüber hinaus auch noch, für ihre Lust verantwortlich zu sein. Dabei verliert er den Kontakt zu seiner eigenen Lust.
Manche Männer spüren ihre eigene Lust - wenn überhaupt - sogar nur noch durch die Lust der Frau. Aber was, wenn die Frau keinen bewussten und freien Zugang zu ihrer eigenen Lust mehr hat?
Frauen: Scham, Anpassung, Abspaltung
Viele Frauen tragen eine ganz andere Last. Eine viel ältere, dunklere...
Über Generationen hinweg wurde weibliche Lust unterdrückt, beschämt, kontrolliert oder sogar mit dem Tod bestraft. Wilde, lustvolle Frauen galten als gefährlich, als sündig, als böse.
Diese Geschichte steckt nicht nur im Kopf – sie steckt bis heute im Körper fest:
- Scham im Becken
- Zurückhaltung im Ausdruck
- Spannung im Schoß
Viele Frauen lernen früh:
- leise zu sein
- angepasst zu sein
- „nicht zu viel“ und vor allem "nicht wild" zu sein
Auch in der Intimität.
Sie glauben oft, für die Lust des Mannes verantwortlich zu sein – genauso wie er glaubt, für ihre verantwortlich zu sein.
Eine subtile Co-Abhängigkeit entsteht - und das auf der intimsten Ebene.
Was dabei verloren geht, ist die eigene Wahrheit im Körper. Doch das Problem ist nicht der Körper.
Das Problem ist, dass er alleine gelassen wird - dass WIR ihn alleine lassen...
Nutze gerne meine Angebote, wie die Body in Resonance Session, Tantra-Gruppenabende oder Einzelsessions (auch für Paare), in denen ich dich darin begleite, den Körper nicht mehr zu verlassen.
Das Ergebnis von Intimität 1.0
Zwei Menschen, körperlich nah – energetisch getrennt. Sex als Ventil, als Bindemittel und Ersatz für echte Verbindung und echte Begegnung. Das ist nicht falsch, aber es ist sehr begrenzt. Und genau deshalb ist es für so viele Menschen auf Dauer unbefriedigend.
Zwei Menschen, die körperlich nah sind, sich aber innerlich verfehlen. Manchmal bleibt Leere, manchmal sogar Frust. Manchmal gar nichts mehr – auch keine Lust.
Und das Verrückte ist: Das gilt heutzutage als "normal".
Vielleicht hast du dich beim Lesen an der ein oder anderen Stelle selbst wieder erkannt.
Aber selbst wenn wir die Muster erkennen – warum kommen wir so schwer aus ihnen heraus?
Im nächsten Teil geht es um den größten Energieräuber unserer Zeit: den Kopf. Und darum, was passiert, wenn wir lernen, wieder im Körper anzukommen.
→ Wenn der Kopf übernimmt – und der Körper verstummt